DRK-OV Kenzingen e.V.

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Bericht der Badischen Zeitung von Johanna Harpering (Klasse 9b) – Do, 13. Dezember 2018

Kenzingen

BZ-SERIE:Der Krankentransportwagen des Kenzinger DRK dient zur Erstversorgung von Patienten.

KENZINGEN. Der Adventskalender darf in der Vorweihnachtszeit in vielen Haushalten nicht fehlen. Jeden Tag wird ein Türchen geöffnet, hinter dem sich ein Bild oder etwas Süßes verbirgt. Auch die BZ-Redaktion, die Presse-AG und die AG “Journalistisches Arbeiten” des Gymnasiums Kenzingen öffnen bis Weihnachten Türen in der Region und erzählen, was sich dahinter verbirgt. Heute: der Krankentransportwagen des Kenzinger DRK-Ortsvereins.

Die Tür des Krankentransportwagens (KTW) geht auf. In dem zehn Quadratmeter großen Fahrzeug befindet sich mittig eine Krankentrage, daneben ein Defibrillator und viele Schubladen mit unterschiedlichen Aufschriften. An der Decke sind Haltegriffe angebracht, die Fenster sind abgeklebt. Sobald man sich bewegt, wackelt das komplette 3,6 Tonnen schwere Fahrzeug.

Diethelm Scholle, Vorsitzender des DRK-Ortsvereins Kenzingen. Er ist seit fünf Jahren beim DRK, davor war er bei der Feuerwehr. Hauptberuflich ist er Soldat, Rettungstaucher und Rettungsschwimmer. “Die ganze Bandbreite macht mir einfach Spaß”, sagt Scholle. Er möge den Dienst am Menschen, dies sei auch das Besondere am DRK-Dienst. In Kenzingen arbeiten die DRK-Helfer alle ehrenamtlich. Um beim DRK mitarbeiten zu können, braucht man eine Ausbildung als Sanitäter, die man ab einem Alter von 18 Jahren machen kann.

Die DRK-Helfer sind zum Beispiel bei öffentlichen Veranstaltungen wie an Fasnet, bei Weinfesten und dem Weihnachtsmarkt mit ihrem KTW im Einsatz. Die meisten Menschen kämen bei solchen Veranstaltung wegen Alkoholproblemen, nach Stürzen oder mit Knochenbrüchen zu den Sanitätern, sagt Scholle. Auch bei Bränden oder Großschadenslagen kommt der KTW zum Einsatz.

Trotz der unterschiedlichsten Verletzungen der Patienten gebe es eine Routine bei den Abläufen im KTW, erklärt Scholle. Zuerst überprüft er die Vitalfunktionen wie Kreislauf und Atmung, dann versorge er gegebenenfalls Wunden oder beatme den Patienten, falls nötig. So sei eine Grunddiagnose innerhalb von Sekunden möglich. Wenn ein Patient zum DRK komme, sei er auf sofortige Hilfe angewiesen. Dabei sei es wichtig, ihn zunächst zu beruhigen, sagt Scholle. Deshalb befinden sich immer zwei Personen im KTW: ein Rettungshelfer, der auch als Fahrer fungiert, und ein Rettungssanitäter, der den Patienten versorgt. Sind mehr Personen anwesend, hat laut Scholle derjenige, der am Kopfende der Krankentrage steht, immer das Sagen. Seine Anweisungen müssen sofort befolgt werden. Der KTW ist für die Erstversorgung zuständig. Medikamente gibt’s in dem Fahrzeug nicht. Benötigt ein Patient Medikamente oder eine Infusion, muss der Notarzt gerufen werden. Anders ist das in einem Rettungswagen (RTW), der auch über Medikamente, ein EKG und ein Beatmungsgerät verfügt.

Das schönste Ereignis in seiner bisherigen Zeit als Sanitäter sei eine Geburt gewesen, erzählt Scholle. Der Einsatzwagen des Kenzinger DRK sei schon kurz nach dem Eingang des Hilferufs vor Ort gewesen. Eine Sanitäterin des Ortsvereins habe der Frau geholfen, das Kind zur Welt zu bringen. “Das ist eine ganz besondere Geschichte. Zum Glück ist alles gut gegangen”, sagt Scholle rückblickend. Mutter und Kind seien nach der Geburt mit einem RTW sicherheitshalber ins Krankenhaus gebracht worden.

Zum Kenzinger KTW hat Scholle ein besonderes Verhältnis, da er dessen Kauf selbst organisiert hat, wie er erzählt. Am meisten aber freut sich der Sanitäter, wenn das Fahrzeug wieder leer ist – dann, wenn ein Patient nach der erfolgreichen Erstversorgung das Fahrzeug stabil, erleichtert und wohlauf wieder verlassen kann und nicht weiter behandelt werden muss.

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